Mit voller Energie den Nordwesten voranbringen

Klaus Zelder (Stadt Oldenburg, links) und Georg Blum (Stellvertretender Clustermanager OLEC e. V., rechts) vor dem Technologie- und Gründerzentrum in Oldenburg
Klaus Zelder (Stadt Oldenburg, links) und Georg Blum (Stellvertretender Clustermanager OLEC e. V., rechts) vor dem Technologie- und Gründerzentrum in Oldenburg
OLEC

Im Technologie- und Gründerzentrum Oldenburg (TGO) im Westen der Stadt finden junge, innovative, technologieorientierte Unternehmen die perfekte Umgebung: Hier sind mehr als 60 Kleinunternehmen, Spin-offs und Start-ups aus den Bereichen Informations- und Kommunikationstechnologie, Gesundheitswissenschaft, Landwirtschaft und Agrotechnologie ansässig. Diese genießen – in unmittelbarer Nähe zur Carl von Ossietzky Universität – eine innovationsfreundliche Atmosphäre, die zum informellen Austausch und zur Vernetzung einlädt. Seit 2009 mit an Bord des TGO: Die Geschäftsstelle des Oldenburger Energieclusters OLEC e. V., bestehend aus einem sechsköpfigen Team rund um die Clustermanagerin Isabelle Ehrhardt und den stellvertretenden Clustermanager Georg Blum.

Initiiert wurde OLEC e. V. von der Stadt Oldenburg in Person des damaligen Oberbürgermeisters Dietmar Schütz, früherer Bundestagsabgeordneter und Mitbegründer des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG). Ihm gelang es Anfang der 2000er Jahre, die wichtigsten Energieunternehmen der Region an einen Tisch zu bringen und damit den Grundstein für die heutige Clusterinitiative mit mehr als 60 Mitgliedern zu legen. Gegründet wurde der Verein dann im Jahr 2005. „Am Anfang hat die Stadt Oldenburg das Thema noch ganz stark vorangetrieben und der Verein war direkt an die Wirtschaftsförderung der Stadt angedockt“, sagt Klaus Zelder von der Stadt Oldenburg, der die Gründung des OLEC von Beginn an mit verfolgt hat. „Der Verein hat sich dann aber zunehmend emanzipiert und ist immer selbstständiger geworden“. Der Grund war, dass immer mehr Personal hinzukam und sich auch das Aufgabenspektrum des Vereins stetig erweiterte. Die enge Verbindung zur Wirtschaftsförderung der Stadt Oldenburg besteht allerdings nach wie vor – nicht zuletzt über Roland Henschel, Vorstandsvorsitzender des OLEC e. V. und stellvertretender Leiter der Oldenburger Wirtschaftsförderung.

Umfangreiches Know-how für die Energiewende im Nordwesten

Heute ist die Clusterinitiative OLEC e. V. das größte technologieübergreifende Netzwerk der Energiebranche im Nordwesten Deutschlands. Kleine und mittlere sowie große Unternehmen (rund zwei Drittel der Mitglieder), Start-Ups, Hochschulen, Institutionen, Gebietskörperschaften und Bildungseinrichtungen arbeiten hier zusammen. „Wir bringen die wichtigen Player der Region zusammen und verstehen uns als Dialogplattform für die Energiewende in Niedersachsen“, sagt Georg Blum, stellvertretender Clustermanager. Thematisch dominierte anfangs das Thema Windkraft. „Das hat sich mittlerweile aber stark geändert. Heute setzen unsere Mitglieder auf einen ganzheitlichen Ansatz zur Transformation des Energiesystems.“ Dabei spielen neben Themen wie Sektorenkopplung und Digitalisierung, alternativen Antriebstechnologien und Konzepten zur Erzeugung, Speicherung und Nutzung von grünem Wasserstoff auch Fragen der Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sowie die Aus- und Weiterbildung in der Branche eine wichtige Rolle. Die Mitglieder arbeiten hierfür klassisch in themenspezifischen Arbeitskreisen zusammen und tauschen sich intensiv mit den Expertinnen und Experten der Region aus. „Unsere Mitglieder sind deshalb auch wichtige Ansprechpersonen für Politik und Verwaltung“, sagt Georg Blum weiter. Und nicht selten sind die Mitglieder des Clusters auch die Ersten, wenn es darum geht, Pilotprojekte zur Energiewende für die Region umzusetzen, wie die folgenden Beispiele verdeutlichen.

Reallabor für Smart City-Technologien

So setzt sich OLEC aktuell im Projekt „ENaQ – Energetisches Nachbarschaftsquartier Fliegerhorst Oldenburg“ erfolgreich dafür ein, die Energieregion Nordwest zur „Smart Region“ weiterzuentwickeln. Im Stadtteil Fliegerhorst in Oldenburg wird hierfür bis zum Jahr 2022 ein weitestgehend klimaneutrales Quartier als „Reallabor“ konzipiert und umgesetzt. Dabei entstehen etwa 110 Wohneinheiten sowohl in Neubauten als auch in sanierten Bestandsgebäuden, die an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen sind. Das Herz des Quartierskonzepts ist ein Verbund an Energieerzeugern und -verbrauchern, die sich in räumlicher Nähe zueinander befinden und ihre überschüssige Energie in andere Energieformen umwandeln, speichern oder direkt bereitstellen, sodass benachbarte Verbraucherinnen und Verbraucher diese nutzen können. Das Konzept verfolgt den Gedanken, die Energieeffizienz zu steigern, indem „Abfallenergie“ vermieden und der lokale Verbrauch von nachbarschaftlich erzeugter Energie maximiert wird. Neben der Sektorenkopplung wird eine offene, sichere und datenschutzkonforme digitale Plattform entwickelt, die es den Bürgerinnen und Bürgern erlaubt, den lokalen Energietausch zu automatisieren. Das Projekt wird mit rund 18 Millionen Euro aus der gemeinsamen Förderinitiative „Solares Bauen/Energieeffiziente Stadt“ der Bundesministerien für Wirtschaft und Energie sowie Bildung und Forschung gefördert. Weitere gut 8,4 Millionen Euro werden von den Partnerinnen und Partnern aus der Wirtschaft beigesteuert. Neben der Clusterinitiative selbst sind an dem fünfjährigen Projekt dreizehn Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus dem OLEC-Netzwerk beteiligt.

Der Nordwesten wird zum Wasserstoff-Hub

Ein weiteres wichtiges Thema, das die Clusterinitiative derzeit aktiv vorantreibt und das auch für die Region immer wichtiger wird, ist das Thema Wasserstoff. Deshalb engagiert sich OLEC gemeinsam mit dem Clustermitglied EWE im Projekt „Hyways for future“, das mit rund 90 Millionen Euro vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur gefördert wird. Mit dem Projekt will EWE im Konsortium mit rund 90 Partnerinnen und Partnern aus Industrie und Politik einen Markt für regenerativ erzeugten Wasserstoff im Nordwesten aufbauen. Ziel ist es, langfristig klimafreundlichen Wasserstoff in der Metropolregion Nordwest in den Bereichen Industrie, Energieversorgung und Verkehr zu etablieren. Schwerpunkte der Wasserstoff-Modell-Region sind die Städte Cuxhaven, Wilhelmshaven, Bremerhaven, Oldenburg und Bremen. Im Mittelpunkt steht, wie Wasserstoff im Mobilitätssektor angewendet werden kann: So sollen künftig Wasserstofftankstellen errichtet und Wasserstoffbusse für den öffentlichen Personennahverkehr, Reinigungsfahrzeuge sowie wasserstoffbetriebene PKW und LKW angeschafft werden. Aufgrund ihrer geographischen Lage bietet die Metropolregion Nordwest beste Voraussetzungen für eine großtechnische, grüne Wasserstoffwirtschaft: Hier kann grüner Wasserstoff mit existierenden und neu zu errichtenden Off- und Onshore-Windparks erzeugt, per Schiff importiert, in vorhandenen Kavernen gespeichert und neben dem Verkehrsbereich in den Sektoren Industrie, Energie und dem Wärmemarkt eingesetzt werden. „Das wäre schon ein toller Erfolg, wenn man unsere lokalen Industrieunternehmen mit Wasserstoff versorgen könnte“, stellt sich Klaus Zelder vor. „Die Innovationsbereitschaft der hiesigen Unternehmen und die Infrastruktur vor Ort bieten jedenfalls die besten Voraussetzungen für einen neuen Wasserstoff-Hub im Nordwesten Deutschlands“.

Netzwerkarbeit voller Energie

Um Projekte wie diese zu realisieren und damit die Energiewende im Nordwesten voranzubringen, nimmt die Clustermanagement-Organisation vielfältige Rollen ein. So fungiert der Verein zum Teil selbst als Antragsteller für Förderprojekte und setzt diese gemeinsam mit den Mitgliedern, beispielsweise über Dienstleistungsverträge, um. Darüber hinaus agiert das Team von OLEC auch als Dienstleister in den Förderprojekten der Mitglieder, zum Beispiel in der Veranstaltungsorganisation oder als koordinierende Stelle, indem sie die richtigen Player zusammenbringen und auf entsprechende Fördermöglichkeiten hinweisen. Hierfür organisiert das Netzwerk jährlich bis zu 30 Veranstaltungen zu unterschiedlichen Themen rund um die Energiewende. Dazu zählen beispielsweise Informationsveranstaltungen, Workshops, Dialogreihen, eine Jahrestagung und Mitgliederversammlung oder parlamentarische Abende. Erfolgreich arbeitet das Team auch branchenübergreifend, wie zum Beispiel aktuell im Rahmen einer Workshopreihe, die sie gemeinsam mit dem Cluster Automotive Nordwest e.V. aus Bremen und dem Cluster Agrotech Valley Forum e.V. aus Osnabrück realisiert. Ziel der Reihe ist es, die Möglichkeiten und Technologien von Wasserstoffantrieben für Nutzfahrzeuge und Landmaschinen darzustellen und gemeinsam Ideen für Fahrzeugkonzepte zu entwickeln, um neue Forschungsanträge zu stellen.

Das Energiesystem der Zukunft gemeinsam gestalten

Für die kommenden Jahre erarbeiten die Mitglieder des OLEC derzeit eine klare Vision und Mission: „Wir wollen, dass der Nordwesten Vorbild für andere Regionen in Deutschland wird“, sagt Georg Blum. „Wir wollen das Energiesystem der Zukunft gemeinsam und mutig gestalten. Unser Motto dabei: Vernetzen, Erklären, Ermöglichen, Promoten und Transferieren aus der Region“. OLEC bietet seinen Mitgliedern die ideale Plattform für die gemeinsame Realisierung dieses Ziels. In Zukunft will das Team von Isabelle Ehrhardt und Georg Blum seinen Mitgliedern weitere exklusive Services anbieten und das Innovationsmanagement intensivieren, zum Beispiel durch Innovationsradare und Whitepaper zu zukunftsweisenden Themen, um Innovationen für die Energieregion Nordwest noch stärker als zuvor vorantreiben zu können.

Stimmen aus dem Netzwerk

Dr. Thorsten Jöhnk – Vorstand der KEHAG Holding AG
Dr. Thorsten Jöhnk – Vorstand der KEHAG Holding AG
© KEHAG Holding AG
OLEC – Dr. Thorsten Jöhnk
Dr. Thorsten Jöhnk – Vorstand der KEHAG Holding AG:

„Wir sind bereits seit 2012 – und damit kurz nach unserer Gründung – OLEC-Mitglied. Als in Oldenburg beheimatete Unternehmensgruppe, die u. a. im Bereich der erneuerbaren Energien und mittlerweile auch der dezentralen Energieversorgung tätig ist, ergab sich unsere Mitgliedschaft wie von selbst. Die Mitgliedschaft im Netzwerk bringt uns einerseits interessante Kontakte und anderseits die Möglichkeit, unser Know-how einzubringen. Auf diese Weise entsteht ein anregender Austausch nebst Kooperationsmöglichkeiten. Im Rahmen des ENaQ-Projektes arbeitet die KEHAG zusammen mit anderen OLEC-Mitgliedern an innovativen Energiemärkten für Wohnquartiere, auf denen verschiedene Akteure Strom und Wärme untereinander austauschen können. Im Projekt ELogZ beschäftigen wir uns mit der klimafreundlichen Versorgung von Logistikzentren, indem wir die vorhandenen Kühlauflieger sinnvoll in das Energieversorgungskonzept der Liegenschaft einbinden.“


Dr. Stephan Barth – Geschäftsführer von ForWind – Zentrum für Windenergieforschung
Dr. Stephan Barth – Geschäftsführer von ForWind – Zentrum für Windenergieforschung
© ForWind – Zentrum für Windenergieforschung
OLEC – Dr. Stephan Barth
Dr. Stephan Barth – Geschäftsführer von ForWind – Zentrum für Windenergieforschung:

„ForWind war von Anfang an Mitglied bei OLEC. Der Vorteil von OLEC ist die enge Verbindung von Unternehmen, Forschung und Verwaltung in einem Cluster. Die ‚kurzen persönlichen Drähte‘ ermöglichen es, unkompliziert und schnell Rat zu erfragen, kompetente Partner zu finden oder gemeinsame Positionen für strategische Argumente zu erarbeiten. OLEC ist dabei ein Sprachrohr und wertvoller Multiplikator für alle Themen der Energiewende. In der Boom- und Anfangsphase der erneuerbaren Energien gab es einen enormen Informations- und Fachkräftebedarf. Mit OLEC als Partner konnten z. B. Job- und Bildungsmessen, Fachveranstaltungen und parlamentarische Abende schnell und sehr professionell umgesetzt werden. Davon konnten sowohl die Cluster-Mitglieder als auch die gesamte Region profitieren.“

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