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18.04.2018

ITS mobility: Digitalisierung und Automatisierung verändern Arbeitsplätze im Schienenverkehr

Wissenschaft und Industrie tauschten sich am 17. und 18. April 2018 beim 3. Rail Human Factors Workshop des Clusters ITS mobility in Braunschweig zu aktuellen Themen der Bahnforschung aus. Der Faktor Mensch soll bei der Entwicklung von Bahnsystemen mehr Aufmerksamkeit erlangen, weshalb sich die Fachvorträge, Poster und Laborbesichtigungen u. a. mit Sicherheit, Automatisierung und nutzergerechter Gestaltung von Arbeitsplätzen im Schienenverkehr beschäftigten.

Triebfahrzeugführerstands-Simulator
Triebfahrzeugführerstands-Simulator am Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung der TU Braunschweig bei einer Fahrt auf einer ETCSStrecke.
© Prof. J. Pachl, TU Braunschweig
ITS mobility: Digitalisierung und Automatisierung verändern Arbeitsplätze im Schienenverkehr

Während das autonom fahrende Auto noch eine Zukunftsvision ist, sind automatisierte Steuerungs- und Sicherungssysteme im Bahnverkehr bereits heute an der Tagesordnung. Trotzdem bleibt der Mensch ein wichtiger Bestandteil im Gesamtsystem Bahn. Die Bedeutung dieses Einflussfaktors für die Forschung und Entwicklung hervorzuheben, war das Ziel des Workshops Rail Human Factors. Ein internationales Publikum aus Wissenschaft und Industrie diskutierte an zwei Tagen aktuelle Themen der Bahnforschung. Ein Schwerpunkt lag auf der nutzergerechten Gestaltung von Arbeitsplätzen und Bediensystemen im Schienenverkehr, die sich durch die zunehmende Digitalisierung und Automatisierung stark verändern.

Der Workshop wurde ausgerichtet vom Institut für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung (IfEV) der Technischen Universität Braunschweig, dem Institut für Verkehrssystemtechnik des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) e. V. und dem Mobilitätsnetzwerk ITS mobility. „Mit dem Workshop wollen wir ein stärkeres Bewusstsein für den Faktor Mensch im Bahnsystem schaffen. Eine intensive Beschäftigung zum Beispiel mit der nutzergerechten Gestaltung von Bahnarbeitsplätzen ist gut investiert, da sie sich positiv auf die Sicherheit und Effizienz des Bahnbetriebs auswirkt”, erklärte Dr. Anja Naumann vom Institut für Verkehrssystemtechnik des DLR.

Im zweitägigen Programm behandelten Fachvorträge, unter anderem von Gastrednern aus dem europäischen Ausland, den aktuellen Stand der Bahnforschung, z. B., wie sich die Sicherheit an Bahnübergängen erhöhen lässt und welchen Einfluss die zunehmende Automatisierung auf die Tätigkeit von Fahrdienstleiter und Triebfahrzeugführer hat. „Die Arbeitsplätze im Schienenverkehr werden sich im Zuge der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung einer starken Wandlung unterziehen”, kündigte Dr. Naumann an.

In Anbetracht dieser Entwicklung erarbeitet die Human-Factors-Abteilung des DLR Gestaltungsempfehlungen für Bediensysteme, und stellt dabei die Bedürfnisse des Nutzers in den Vordergrund. Einige Erkenntnisse wurden in Workshop-Sessions zur mentalen Arbeitsbeanspruchung vorgestellt. So sollten z. B. reine Überwachungstätigkeiten für den Menschen vermieden werden, da diese Monotonie und Müdigkeit erzeugen. Automatisierte Diagnose- und Entscheidungshilfen können den Fahrdienstleiter unterstützen, oder Assistenzsysteme dem Triebfahrzeugführer permanent verdeutlichen, welches Zugsicherungssystem gerade aktiv ist. „Wir beschäftigen uns außerdem mit der Frage, wie die Arbeitsumgebung des Triebfahrzeugführers aussehen könnte, wenn er im hochautomatisierten Betrieb ggf. nicht mehr im Führerstand, sondern in einer Zentrale sitzt und in Störfällen oder komplexen betrieblichen Situationen die automatisiert fahrenden Züge zeitweise manuell fernsteuert“, erklärte Dr. Naumann.

Auch die Sicherheitskultur war ein Schwerpunktthema des Workshops. Sicherheitskultur beschreibt, wie innerhalb einer Organisation mit Fragen zur Sicherheit umgegangen wird. Insbesondere die Arbeitsgruppe Human Factors des Internationalen Eisenbahnverbandes UIC und die Europäische Eisenbahnagentur (ERA) beschäftigen sich mit der Rolle, die der Faktor Mensch hierbei spielt, und arbeiten intensiv an Ansätzen, wie die Sicherheitskultur im Bahnbereich verbessert werden kann.

In einer Poster-Session wurden Arbeiten zur Gestaltung von Mensch-Maschine-Systemen und zur Automatisierung im Bahnbereich vorgestellt. Zum Abschluss des Workshops hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, die Forschungslabore des DLR, der Siemens AG und des Instituts für Eisenbahnwesen und Verkehrssicherung der TU Braunschweig zu besichtigen. Hierbei bietet sich noch einmal die Gelegenheit zu fachlichen Diskussionen zwischen Vertretern aus Wissenschaft und Industrie.

Der Rail Human Factors Workshop hat erstmals im Jahr 2014 in Braunschweig stattgefunden und weckt bei Vertretern aus der Forschung und Wirtschaft großes Interesse. Der Workshop leistet einen wichtigen Beitrag dazu, dass die Rail Human Factors in der bislang stark technik-orientierten deutschen Forschungslandschaft langsam an Bedeutung gewinnen.

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