Meldung
29.10.2025
BioLAGO: Diagnostikbranche setzt auf Künstliche Intelligenz
Am 7. und 8. Oktober 2025 kamen etwa 150 Fachleute aus 13 Ländern bei der siebten Auflage der Konferenz Diagnostics-4-Future in Konstanz zusammen. Organisiert vom Gesundheitsnetzwerk BioLAGO, hat sich der jährliche Kongress zum wichtigen Branchentreffen für Fachleute aus Industrie, Forschung und Medizin im Bereich Diagnostik entwickelt. Abgerundet wurde Diagnostics-4-Future durch eine Messe.
Spannende Vorträge zur Zukunft der Diagnostik zogen Fachleute aus ganz Europa nach Konstanz.
© BioLAGO/Neumann
Längst hat KI auch in der Diagnostik Einzug gehalten: Mit ihrer Hilfe können große Datenmengen aus Laborwerten, Bildgebungsverfahren oder Patientendaten effizient ausgewertet und interpretiert werden. Algorithmen und maschinelles Lernen unterstützen bereits heute etwa bei der Erkennung von Tumoren oder Hautveränderungen. KI leistet damit einen aktiven Beitrag Diagnosen schneller und präziser zu stellen.
Doch für viele Aufgaben und Fragestellungen fehlt es an Lösungen und auch das Zusammenspiel zwischen Mensch und intelligenter Software muss erlernt und etabliert werden, wie eine hochkarätig besetzte Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern aus Klinik, Wissenschaft und Wirtschaft deutlich machte.
Antibiotikaresistenz mit KI schneller erkennen
Ein Schwerpunkt der Konferenz waren neue Verfahren zur schnellen Erkennung von Antibiotikaresistenzen, von Bakterien also, die unempfindlich gegenüber Antibiotika geworden sind. Antimikrobielle Resistenzen gehören laut EU-Kommission zu den drei größten Gesundheitsgefahren, die dringende Maßnahmen erfordern.
Auch hier kann KI helfen, Leben zu retten und Kosten zu senken: Michelle Bressan vom Institut für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Zürich zeigte, wie multimodale KI-Sprachmodelle, kombiniert mit Automatisierung, bereits heute erfolgreich im Labor zum Einsatz kommen, um Resistenzen frühzeitig zu erkennen und die Therapie an den Erreger anzupassen.
Effizienz und Nachhaltigkeit in der Diagnostik – aber wie?
Mit dem Thema Überdiagnostik setzten sich die Teilnehmenden kritisch auseinander. Überdiagnostik bedeutet nicht zwingend erforderliche medizinische Untersuchungen, die häufig zur Absicherung durchgeführt werden, Patientinnen und Patienten aber keinen Nutzen bringen, sondern u. U. gar schaden können. Mit Alexandra Jønsson von der Roskilde University und John Brodersen (Copenhagen University Hospital) präsentierten zwei führende Forschende auf diesem Gebiet Lösungen und Wege für eine effizientere, nachhaltigere Diagnostik.
Zum Abschluss der Konferenz berichteten Dennis Göthlich vom Unispital Zürich sowie Frank Michel vom Unternehmen Merck, wie mit einfachen Mitteln Prozesse in der Gesundheitsversorgung und -Industrie nachhaltiger gestaltet werden können, um z. B. den Energieverbrauch zu senken.
Die Konferenz am Bodensee ist international einzigartig
Zusätzlich zu diesen Zukunftsperspektiven bot der Kongress viel Raum zum persönlichen Austausch. Zum Auftakt gab es organisierte 1:1-Gespräche, bei denen sich die Teilnehmenden kennenlernen und über mögliche Kooperationen sprechen konnten. Zwischen den Vorträgen präsentierten Ausstellende ihre Produkte und Dienstleistungen für die Diagnostik.
„Diagnostic-4-Future hat sich zur wichtigen Plattform der internationalen Diagnostik-Branche entwickelt. Die Kombination aller Sektoren innerhalb der Diagnostik mit klarem Fokus auf künftige Bedürfnisse und Fragestellungen ist ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal dieses Formats“, so Dr. Oliver Nolte, Vorstandsmitglied von BioLAGO und Leiter der Diagnostik am Institut für Medizinische Mikrobiologie an der Universität Zürich.
An diesem Konzept möchte BioLAGO festhalten, die Vorbereitungen für die kommende Konferenz im Herbst 2026 laufen bereits.