Flexibel vernetzt – Wie Organic Electronics Saxony die Hidden Champions Sachsens hervorbringt

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Geschäftsführer Dr. Dominik Gronarz mit seinem Team Franziska Richter, Jitka Barm und Nele Kheim (v.r.n.l.) in der Geschäftsstelle des Clusters „Organic Electronics Saxony“ im Univiertel in Dresden.
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Geschäftsführer Dr. Dominik Gronarz mit seinem Team Franziska Richter, Jitka Barm und Nele Kheim (v.r.n.l.) in der Geschäftsstelle des Clusters „Organic Electronics Saxony“ im Univiertel in Dresden.

Wer durch das grüne Herz Dresdens radelt, ahnt kaum, dass sich hinter der Fassade eines Wohnhauses mit liebevoll gepflegtem Garten ein Hightech-Netzwerk mit internationaler Strahlkraft verbirgt. Fünf Minuten von der Universität entfernt, liegt hier das Büro des Clusters „Organic Electronics Saxony“ – kurz OES, Mitglied im Programm „go-cluster“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Idyllisch und unaufgeregt ist der Ort, an dem aus flexiblen Ideen funktionale Innovationen für die Welt von morgen entstehen.

Doch dieser unscheinbare Ort ist Keimzelle eines ambitionierten Netzwerks, das aktuell über 50 Mitglieder zählt. Die Entscheidung für genau dieses Büro fiel bewusst: nicht nur die Nähe zur Universität war entscheidend, sondern auch der Garten, ein Symbol für organisches Wachstum – so, wie es das Cluster selbst durchlebt hat.

Von der Ablehnung zur Allianz: Wie OES auf steinigem Weg wachsen konnte

Die Geburtsstunde von OES war keine Erfolgsgeschichte – zumindest nicht auf den ersten Blick. Ein abgelehnter Antrag im Spitzencluster-Wettbewerb führte zu der Entscheidung, mit einigen wenigen Akteuren ein Netzwerk zu gründen, das anstatt einer üppigen Bundesförderung hauptsächlich auf Mitgliedsbeiträgen und einer sächsischen Netzwerkförderung basierte. Heute gilt diese Entscheidung als kluger Trotzakt mit nachhaltiger Wirkung.

Wenn von organischer Elektronik in Sachsen die Rede ist, darf hier ein Name als Pioniergeist nicht fehlen: Prof. Karl Leo. Der Physiker gilt als geistiger Vater zahlreicher Ausgründungen im Bereich organischer Halbleiter. OLEDs, flexible Solarzellen und biokompatible Sensoren – all das begann bei ihm. Er ist nicht nur ein international anerkannter Wissenschaftler, sondern auch ein „Start-up-Guru“, dessen Ideen das Fundament für viele Mitglieder des heutigen Netzwerks bildeten.

Geführt wird OES von Geschäftsführer Dr. Dominik Gronarz, der gemeinsam mit Projektmanagerin Jitka Barm das Cluster lenkt – mit bemerkenswerter Nähe zu den Mitgliedern. Unterstützung erhalten sie von Nele Kheim, zuständig für Social Media und Projektkoordination, sowie Franziska Richter, die das Backoffice organisiert. Das Team ist klein, aber hocheffizient. Jeder kennt jeden – nicht nur innerhalb des Teams, sondern viele Mitglieder kennen sich auch untereinander.

Organisch organisiert: Wie OES Projekte mit Leben füllt

Der Erfolg von OES liegt in seiner Wandlungsfähigkeit. Die inhaltlichen Schwerpunkte entwickeln sich mit den Bedürfnissen der Mitglieder. Aktuell arbeitet das Team an mehreren Projekten, darunter:

  • POC4TRIAGE: Im Rahmen des EU-Projektes werden mobile Medizingeräte entwickelt, die Schlaganfälle direkt vor Ort oder im Rettungswagen erkennen und differenzieren können. Mithilfe von EEG-, EKG- und Blutanalysesystemen sowie KI-gestützter Auswertung soll der Transport ins richtige Krankenhaus deutlich beschleunigt werden. OES begleitet das Projekt in den Bereichen Verwertung, Datenschutz, regulatorische Fragestellungen und internationale Sichtbarkeit.
  • INFINITE: Ein Leuchtturmprojekt mit neun europäischen Partnern, um die Ausbildungen in flexibler, organischer Elektronik zu pushen. OES, als Konsortialführer, koordiniert neben der technischen Arbeit auch Bildungsmaßnahmen und Vernetzung. Ziel ist es, ein europaweites Exzellenznetzwerk aufzubauen, das Ausbildung, Anwendung und Technologietransfer dieser zukunftsweisenden Schlüsseltechnologie nachhaltig stärkt.
  • EmpowerHER: Mit EmpowerHER hat OES ein exklusives Format für Frauen in Forschung, Technik und Führung etabliert. In regelmäßigen Treffen geht es um Sichtbarkeit, Vernetzung und strategischen Austausch auf Augenhöhe. Ohne externe Förderung entstanden, ist es heute ein wirksames Instrument für mehr Diversität in einer hochspezialisierten Branche.

Hightech trifft Herzenssache: Warum OES kein Massenprodukt ist

Was OES auszeichnet, ist nicht die Größe, sondern das Netzwerk im Kleinen: über 70 Prozent der Mitglieder sitzen in Sachsen, viele von ihnen sind Hidden Champions. Ihre Gemeinsamkeit: die meisten haben keine direkten Marktüberschneidungen – das macht OES zum Matchmaker.

Ob Anlagenbau, Medizintechnik, Sensorik oder Textil – alle profitieren von der gezielten Vernetzung durch OES. Weil klassische Arbeitsgruppen mangels Masse oft scheitern, setzt das Team auf thematische Flexibilität: aktuell stehen Fachkräftesicherung, bioabbaubare Elektronik und gedruckte Sensorik im Fokus.

Um die Mitglieder zu einer starken Gemeinschaft zu machen und Clusterformate mit echten Mehrwerten zu liefern, bietet OES ein breites Spektrum an Formaten. Eines davon ist das CEO-Dinner. Dabei treffen sich einmal jährlich Geschäftsführende auf C-Level-Niveau – inklusive kulturellem Rahmenprogramm wie beispielweise die Besteigung des Blauen Wunders oder eine Weinbergführung. Zudem gibt es regelmäßige Business-Frühstücke, verbunden mit Laborbesuchen und Impulsvorträgen.

Zusätzlich ist OES ein echter Profi für die Organisation von Konferenzen und Messen: allen voran die „LOPEC“ in München, wo OES als größter Aussteller das Bundesland Sachsen sichtbar macht. Die größten Erfolge erzielt Gronarz aber über individuelle Matchmaking-Gespräche: „Du suchst einen Lack mit Wasserdampfbarriere? – OES ruft durch, vermittelt, verknüpft.“

Bio-inspiriert statt bürokratisch: Finanzierung aus eigener Kraft

OES finanziert sich überwiegend über öffentlich geförderte Projekte und Mitgliedsbeiträge. Anders als viele Mitbewerber hatte das Cluster keine institutionelle Finanzierung. Der Mitgliedsbeitrag ist daher vergleichsweise hoch – eine bewusste Entscheidung, die Unabhängigkeit sichert. Gleichzeitig ist das Wachstum organisch: drei bis acht Mitglieder schließen sich dem Netzwerk jährlich an. Ein zentraler Erfolgsfaktor: Nähe. „Wir wollen unsere Mitglieder wirklich kennen“, betont Gronarz. „Ein Netzwerk mit 300 Mitgliedern? Wäre weder effizient noch persönlich – und damit auch nicht „organisch“. Unser Erfolg ist es, wenn zwei Leute nach einem Treffen sagen: Das war ein guter Kontakt.“ Dieses Credo lebt OES mit Leidenschaft und Pragmatismus.

Regelmäßige Mitgliederbefragungen, persönliche Besuche und ständiges Hinhören sorgen dafür, dass OES am Puls der Mitglieder bleibt. Gerade in einer Branche, die so stark in Bewegung ist, ist das ein entscheidender Vorteil.

Zukunft zum Anfassen: Von transparenten Heizungen bis Smart Med-Tech

Die Anwendungen der organischen Elektronik sind so vielfältig wie die Mitglieder selbst: transparente Heizsysteme für extreme Bedingungen, implantierbare Biosensoren, flexible Solarfolien oder smarte Pflaster, die Medikamente abgeben – made in Sachsen.

Gerade im Medizintechnikbereich hat OES mit dem Projekt POC4TRIAGE Maßstäbe gesetzt. Und wer wissen will, was Mikrodruck mit der Zukunft zu tun hat, sollte im August zur Microprinting Conference nach Bad Schandau reisen – ein weiteres Beispiel dafür, wie tiefgreifend das Netzwerk in Forschung und Anwendung verwurzelt ist.

Organik statt Routine: Warum OES Sachsens stiller Leuchtturm ist

Auch wenn die Wirtschaftsleistung organischer Elektronik heute noch bescheiden erscheint – ihr Innovationspotenzial ist enorm. „In Berlin weiß kaum jemand, was hier in Dresden entwickelt wird. Aber in der Fachwelt sind wir ein Leuchtturm“, sagt Jitka Barm. Einer mit globaler Sichtweite.

Denn bei OES entsteht mehr als nur Technologie. Hier wird gezeigt, wie man aus Rückschlägen neue Wege geht, aus Diversität Synergien schafft – und wie ein Garten in Dresden zum Symbol für eine der dynamischsten Branchen Europas werden kann.

Organic Electronics Saxony ist kein gewöhnliches Netzwerk. Es ist ein lebendiger Organismus. Organisch, flexibel, innovativ – mit festen Wurzeln in Sachsen und Blick in die Welt. Ein Cluster, das nicht nur Elektronik entwickelt, sondern Verbindungen schafft, die bleiben.

Zitate der Mitglieder

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Sindy Mosch
Dr. Sindy Mosch | Vorstand | Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS)

Innovation ist stets möglich und noch besser gemeinsam – und ich setze mich leidenschaftlich für mein Thema ein. Schon früh wurde mir bewusst, dass ich meine Ideen am besten im Austausch und in Zusammenarbeit mit anderen realisieren kann. Als ich Teil des OES wurde, stellte ich jedoch fest, dass Frauen hier noch wenig präsent waren. Das wollte ich verändern und habe mich aktiv dafür eingesetzt, gezielt Frauen im Cluster anzusprechen. Zusammen mit Jitka Barm, der Projektkoordinatorin im Netzwerk, habe ich vor etwa zwei Jahren die Initiative EmpowerHER gegründet. Seitdem haben wir tolle Projekte initiiert, die ohne das Netzwerk nicht realisierbar gewesen wären. Das empfinde ich als echten Erfolg.

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Sebastian Gepp
Sebastian Gepp | Vorstand | Kundisch GmbH & Co. KG

Ich bin sowohl privat als auch mit der Firma Kundisch seit 2018 Mitglied bei OES. Seit Ende 2023 bin ich im Vorstand ehrenamtlich tätig. Wir wollten 2018 in den Markt für gedruckte Elektronik und brauchten Partner für schnelle Erfolge. Wer seine Geschäfte mit gedruckter Elektronik hauptsächlich in der DACH Region plant, ist bei OES richtig. Durch neue Kontakte entstehen immer wieder neue gewinnbringende Ansätze und am Ende spannende Produkte, die lokal produziert werden und einen Nutzen stiften. Jede Veranstaltung ist eine Erweiterung des Netzwerkes und Impulsgeber zu aktuellen Herausforderungen bei uns in der Firma. Wir sind durch OES in den Wearable Electronics Markt gekommen. Neben einem geförderten Projekt machen wir heute Umsätze mit realen gelieferten Produkten. Dabei ist ein Großteil der Lieferkette bei OES vertreten. Das macht die Zusammenarbeit schnell und vertrauensvoll. Zudem sind einige persönliche Freundschaften entstanden, da wir alle die gleichen großen Ziele im Leben verfolgen.

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