Mit voller Energie zu einem nachhaltigen und erfolgreichen Wirtschaftsstandort Sachsen

Gruppenbild des Energy Saxony Teams
© Energy Saxony e. V.
Dresden ist bekannt für seine alte Neustadt – wo eine vielfältige kulturelle Szene mit Gastronomie, Shopping- und Kulturangeboten floriert – und seine neue Altstadt – das historische Zentrum mit seinen prachtvollen Bauten aus Renaissance, Barock und dem 19. Jahrhundert. Nur einen Katzensprung von diesem Mix aus alt und neu entfernt befindet sich seit Anfang April 2024 auch die neue Geschäftsstelle des Energy Saxony e. V. in einem denkmalgeschützten Altbau mit kleinem Garten. Was auf den ersten Blick wie ein schickes Villenviertel wirkt, entpuppt sich nach kürzester Zeit als ideale Lage für eine energiereiche Vernetzung: Denn das Fraunhofer-Institut, das Leibnitz-Institut und die TU Dresden – alle Mitglieder im Energy Saxony e. V. – befinden sich hier in unmittelbarer Nachbarschaft.
Energy Saxony bringt Forschung und Anwendung zusammen
Geschäftsführerin des Netzwerkes ist Dr. Frances Zedler. Die junge Maschinenbauerin leitet den Verein seit 2022 und hat die Position der Geschäftsführerin nach ihrer Promotion an der TU Dresden übernommen. Das Netzwerk kannte sie bereits vorher durch diverse Veranstaltungen, die sie damals noch von der Wissenschaftsseite aus begleitete. Die neuen Räumlichkeiten und ihr fachlicher Hintergrund bieten die besten Voraussetzungen, dem Auftrag des Netzwerkes nachzukommen: Die Forschung und die Anwendenden zusammenbringen und den Wirtschaftsstandort Sachsen stärken.
Von der Brennstoffzellen-Initiative zum breit aufgestellten Energienetzwerk
Angefangen hat alles mit einer Förderung des Freistaates Sachsen für ein Brennstoffzellen-Netzwerk. „Das Thema Brennstoffzellen und Wasserstoff war in der Vergangenheit immer mal wieder Thema, allerdings noch nie so stark wie jetzt“, erinnert sich Zedler. Als die staatliche Förderung im Jahr 2013 endete und das Thema erneut abflaute, öffnete sich das Netzwerk thematisch – der Energy Saxony e. V. war geboren. Der Verein startete mit rund 20 Mitgliedsunternehmen. In diesem Jahr hofft der Verein auf eine dreistellige Mitgliederanzahl – ein enormes Wachstum, was sich vor allem in den letzten Jahren massiv verstärkte. Die Zertifizierung im Programm „go-cluster“ unterstützt den Verein dabei, dieses Wachstum strukturiert zu meistern und Prozesse kontinuierlich zu verbessern. Mittlerweile beschäftigt der Verein ein junges und dynamisches Team bestehend aus insgesamt elf Mitarbeitenden – darunter Energie- und Umwelttechnikerinnen, Bildungsexperten und viele mehr. Mit dieser Kompetenzvielfalt ist das Netzwerk sehr breit aufgestellt: Die Themen, mit denen sich der Energy Saxony e. V. auseinandersetzt, reichen von Wasserstoff in Industrie, Gewerbe und energieeffizienter Produktion über Gebäudeenergietechnik, Wärme- und Kältetechnik bis hin zu Speicher und Netzdienstleistungen sowie energietechnischen Komponenten. Ein zentrales Instrument für die inhaltliche Auseinandersetzung sind die Arbeitskreise. Diese werden meist von Mitgliedern aktiv gestaltet und durch den Energy Saxony e. V. methodisch und organisatorisch begleitet. Das Netzwerk finanziert sich zur Hälfte aus Mitgliedsbeiträgen und zur anderen Hälfte aus Förderprojekten, die der Verein koordinierend oder partnerschaftlich durchführt. „Die Förderprojekte ermöglichen es uns, Expertise zu sehr komplexen, energietechnischen Fachthemen aufzubauen und uns Fragestellungen noch viel tiefer zu widmen, als wir dies in unseren Arbeitskreisen tun können“, freut sich Zedler.
Geballte Wasserstoffkompetenz
Aktuell setzt der Verein drei Förderprojekte um. Im Bereich Wasserstoff ist es das sächsische Innovationscluster „Wasserstoffland Sachsen“ für Brennstoffzellen und Wasserstoff. Dabei betreut der Energy Saxony e. V. seit dem Jahr 2018 gemeinsam mit dem HZwo e. V. zahlreiche Leuchttürme und initiiert Projekte für die Energiewende sowie eine CO2-neutrale Mobilität. Im Projekt arbeiten Forschung, große Energieversorger sowie große und kleine Unternehmen zusammen. Bei den Unternehmen handelt es sich beispielsweise um Elektrolyse-Hersteller oder Unternehmen aus dem Bereich Dichtungstechnologien – aber auch energieintensive Industrieunternehmen aus der Stahl- und Chemieindustrie. In den vergangenen Monaten haben sich die Partner intensiv mit dem sächsischen Wasserstoffkernnetz beschäftigt. Dabei hat der Energy Saxony e. V. in hohem Maße die Interessen und Bedarfe seiner Mitglieder eingebracht. „Dieses Thema ist enorm wichtig für unsere energieintensiven Unternehmen, denn angesichts der aktuellen geopolitischen Lage müssen sie eine fundierte Investitionsentscheidung treffen, auf welche Technologie sie in Zukunft setzen wollen – ob beispielsweise auf Strom, Erdgas oder eben anderes Gas“, sagt Zedler. Zusätzlich ist der Energy Saxony e. V. seit 2022 mit dem Betrieb der Kompetenzstelle Wasserstoff „K2H“ des Freistaats Sachsens betraut, an der auch der HZwo e. V., der HYPOS e. V. sowie die VDI/VDE Innovation + Technik GmbH und WeichertMehner fachlich mitwirken. Die K2H ist die zentrale Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger, Kommunen, Medien, Wirtschaft und Wissenschaft, an die sie sich bei allen Fragen rund um Wasserstofferzeugung, -transport, -speicherung und -anwendung wenden können.
Kreislaufwirtschaft optimieren und Akteure zusammenbringen
Ein weiteres Kernthema des Energy Saxony e. V. ist die Kreislaufwirtschaft, das im aktuellen Innovationscluster „Circular Saxony“ zusammen mit dem Circular MTC e. V. bearbeitet wird. Seit 2022 unterstützt es sächsische Akteure bei der Einführung einer kreislaufgeführten Wirtschaft. „Dabei geht es nicht nur um Recycling“, sagt Zedler. „Kreislaufwirtschaft fängt bereits bei der Produktentwicklung und dem Design an und endet in der Nachnutzung und Second-Life-Anwendungen. Wir versuchen deshalb nicht nur in das Recycling zu kommen, sondern setzen viel früher an.“ Um sich dem Thema Kreislaufwirtschaft von mehreren Seiten zu nähern, kommen thematisch organisierte Unterarbeitskreise ins Spiel, beispielsweise zu den Themen Batterien, Solarmodule, Elektroschrott. „Hier hinterfragen wir zusammen mit den Mitgliedsunternehmen kritisch, was besser gemacht werden kann: Wo können Rohstoffe im Prozess eingespart, wo wiederverwendet werden? Wir versuchen dort Impulse zu setzen, Projekte zu initiieren und Akteure zusammenzubringen – denn eins ist klar: Kreislaufwirtschaft ist ein dickes Brett, das nicht im Alleingang zu bohren ist.“
Bildung und Batterien
Nicht zuletzt fokussiert der Energy Saxony e. V. auf das Thema Batterien. Hier ist der Verein aktuell mit einem Querschnittsthema – der Fachkräftequalifizierung – unterwegs und ist Koordinator des vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz geförderten Bildungsverbundes „Batterie MD“. Ziel des Projektes ist es, bedarfsgerecht und systematisch Qualifizierungsmodule für die gesamte Batteriewertschöpfungskette – von den Rohstoffen über die Fertigung, Nutzung, Reparatur bis zum Recycling – zu entwickeln. Hier feilt das Kompetenztrio bestehend aus Clustern, Bildungs- und Wissensträgern aktuell an einem Baukastensystem, das bestehende Ausbildungsgänge ergänzt, um Fachkräfte mit den für die Energiewende notwendigen Kompetenzen auszustatten. Solche Module können dann beispielsweise drei 90-minütige Kurse sein. So kann sich jedes Unternehmen sein individuelles Lehr- und Lernmodul zusammenstellen. Die Module werden zielgerichtet entlang der unternehmerischen Bedarfe entwickelt. Dabei werden auch zukünftige Technologienentwicklungen in den Blick genommen, sodass die Lehr- und Lernmodule immer up to date bleiben. Erste Module wurden bereits konzipiert, Weiterbildungsmaßnahmen in den Ausbildungsjahren durchgeführt und evaluiert.
Der Energy Saxony Think Tank bündelt alle Kräfte
Neben diesen umfassenden Förderprojekten hat der Energy Saxony e. V. für seine Mitglieder auch Veranstaltungen, Newsletter, Social Media und Messeauftritte im Portfolio, die sie zum Teil in Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaftsförderung durchführen. Sogar eigene Messen stellt das agile Team auf die Beine, wie den jährlichen „Energy Saxony Summit“ – dem Klassentreffen der sächsischen Energiebranche – oder die Clean Hydrogen Convention, eine Messe zum Thema Wasserstoff, wo sich sowohl Unternehmen als auch die Forschungsseite präsentieren durften, die Energy Saxony gemeinsam mit dem HZwo e.V. durchgeführt hat.
Ein ganz besonderes Angebot ist der „Energy Saxony Think Tank“, den das Netzwerk interessierten Mitgliedern anbietet. Hier begleitet das Netzwerk Unternehmen, die eine bestimmte Herausforderung haben – beispielsweise wie sie sich energieeffizienter aufstellen oder wie sie ihre Kreislaufwirtschaft erhöhen können. Das Team von Energy Saxony bereitet das Thema unter Mitwirkung des Arbeitskreisleiters „Energieeffiziente Produktion“ Mark Richter (Geschäftsfeldleiter Klimaneutraler Fabrikbetrieb am Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik) auf, geht in bilaterale Gespräche und gibt eine konkrete Aufgabenstellung in das Netzwerk. Dort werden dann alle Kräfte genutzt, um aus dem „großen“ Projekt „kleine“ Handlungsschritte zu erarbeiten. Die Netzwerkmitglieder pitchen ihre Ideen. Das Team von Energy Saxony setzt sich anschließend mit den Unternehmen zusammen und schaut, welche Lösung am besten passt. Manchmal macht das Unternehmen das auch allein, schließlich sind es häufig unternehmenseigene Entscheidungen. Wenn sich für manches nichts gefunden hat, geht Energy Saxony erneut auf Partnersuche. Energy Saxony koordiniert den Prozess und begleitet das Ergebnis mit Öffentlichkeitsarbeit. „Von diesem Angebot hat jeder etwas.“ sagt Zedler. „Der eine kann seine Leistungen verkaufen, der andere kann das umsetzen, was er gerne möchte. Allerdings ist das Ganze natürlich sehr aufwendig. Aktuell haben wir nur einen Think Tank am Laufen.“
Gemeinsam mehr Energie
Mit seinen inhaltlichen Kompetenzen, den bedarfsorientierten Angeboten und der gezielten erfolgreichen Interessensvertretung der Mitglieder – wie kürzlich bei der Ausgestaltung des sächsischen Wasserstoffkernnetzes– hat sich der Energy Saxony e. V. zum zentralen Ansprechpartner für alle Energiefragen in Sachsen etabliert. „Wir werden immer häufiger nach unserer Expertise gefragt, sei es von der Politik, der regionalen Wirtschaftsförderung oder aber auch von Unternehmen direkt.“ freut sich Zedler. „Das ist eigentlich der größte Erfolg für uns. Denn so können wir gemeinsam die Energiebranche in Sachsen gestalten, ganz getreu unserem Motto: Gemeinsam mehr Energie!“