Zukunftscluster OTC Rostock ermöglicht Schülerinnen und Schülern Forschungsarbeit
Im Rahmen eines Citizen-Science-Projekts hat eine erste Gruppe aus Schülerinnen und Schülern Mitte Mai 2026 eine sogenannte Warnow-Sonde zur Umweltbeobachtung im Rostocker Stadthafen in Betrieb genommen. Die Sonde misst unter anderem Wassertemperatur und Salzgehalt in unterschiedlichen Tiefen. Durch ihren Einsatz sind die Schülerinnen und Schüler unmittelbar an Forschung beteiligt und lernen, Messdaten zu verstehen. Forschende am Zukunftscluster Ocean Technology Campus (OTC) Rostock haben die Warnow-Sonde entwickelt.
Die Sondentechnik wurde unter Leitung des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) entwickelt. Das Schülerforschungszentrum MikroMINT Rostock begleitet die praktische Arbeit der insgesamt fünf beteiligten Schulen und bindet die Jugendlichen aktiv in Forschung und technische Weiterentwicklung ein.
Die Warnow-Sonde soll wissenschaftlich belastbare Umweltmessungen auch außerhalb klassischer Forschungseinrichtungen ermöglichen. Für vergleichsweise geringe Kosten unter 1.000 Euro können robuste und modular erweiterbare Messstationen aufgebaut werden. Die Daten – derzeit Wassertemperatur, Leitfähigkeit zur Bestimmung des Salzgehaltes und Unterwasserdruck zur Erfassung der aktuellen Messtiefe – werden automatisch alle 10 Minuten per Mobilfunk übertragen, gespeichert und visualisiert. Technisches Vorbild ist ein Prototyp aus dem gemeinsamen Forschungsprojekt „HyFive – Hydrography on Fishing Vessels“ von IOW und dem Thünen-Institut für Ostseefischerei. Dieser wurde für den mobilen Einsatz auf Fischereifahrzeugen entwickelt, um Umwelt- und Zustandsdaten aus der Ostsee effizient zu erfassen.
Mit der Warnow-Sonde haben wir am IOW ein Messsystem entwickelt, das valide Daten für die Wissenschaft liefern kann und zugleich so offen und modular aufgebaut ist, dass Jugendliche sehr gut selbst praktisch damit arbeiten können
, sagte Sven Hille, Schulbeauftragter des IOW und Projektleiter. Gleichzeitig entsteht damit ein langfristiges Messnetz, das helfen kann, Veränderungen in der Unterwarnow besser zu verstehen
, so Hille.
Entstanden ist die Warnow-Sonde im Rahmen des vom damals zuständigen Bundesministerium für Bildung und Forschung (heute: Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt BMFTR) geförderten Projekts „Ocean Talents“ am Ocean Technology Campus Rostock mit dem Ziel, Kindern und Jugendlichen praxisnahe Einblicke in moderne Meeresmesstechnik zu ermöglichen. Inzwischen wird das Vorhaben im Projekt „PromOcean“ fortgeführt, um diesen Ansatz in ein dauerhaftes Citizen-Science-Projekt zu überführen und das Messnetz in der Unterwarnow weiter auszubauen.
Open Source, Open Data und weitere Standorte geplant
Die Warnow-Sonde versteht sich ausdrücklich als offenes Mitmachprojekt. Sowohl Hard- als auch Software basieren weitgehend auf frei zugänglichen Open-Source-Komponenten. Auch die erhobenen Daten sollen langfristig öffentlich verfügbar gemacht werden. Damit verfolgt das Projekt nicht nur wissenschaftliche, sondern auch gesellschaftliche Ziele: Umweltbeobachtung soll transparenter, zugänglicher und gemeinschaftlicher werden. Die bisherigen Testphasen haben gezeigt, dass die Sonde selbst in dynamischen Brackwasserbereichen der Unterwarnow zuverlässig arbeitet. Erste Messreihen dokumentieren deutliche Schwankungen der Leitfähigkeit und machen sichtbar, wie stark sich Fluss- und Ostseewasser in der Region vermischen.
Perspektivisch sind weitere Messstationen entlang der Unterwarnow geplant. Darüber hinaus arbeiten die Projektpartner bereits an zusätzlichen Funktionen, etwa automatisierten Tiefenprofilen, energieeffizienter Datenübertragung oder mobilen Varianten der Sonde. Langfristig könnte das System auch für kommunale Hafenbetreiber, Wassersportvereine oder andere Forschungseinrichtungen interessant werden.