ThWIC: Mitarbeit am White Paper zur „Zukunft des Konsums“
Das Thüringer Wasser-Innovationscluster ThWIC forscht in seinen Projekten HaVe und VerNetzT dazu, wie Haushalte Wasser verwenden bzw. wie die Infrastrukturen für Trink- und Abwasser sozial organisiert sind. Auf dieser Basis und aufgrund seiner langjährigen Befassung mit nachhaltigem Konsum nahm Professor Stephan Lorenz an einem Diskussionsprozess zum Thema teil. Daraus entstand das White Paper „Die Zukunft des Konsums. Agenda zur Neuperspektivierung der Verbraucherforschung“.
Mit dem White Paper sollen neue Denk- und Kooperationsräume für die Konsum- und Verbraucherforschung sowie für Verbraucherschutz und -politik eröffnet werden. Initiiert wurde es vom Sprecher des Bundesnetzwerks Verbraucherforschung und gefördert vom Bundesministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz.
Nimmt man eine umfassende Konsumperspektive ein, dann ist offensichtlich, dass der massive Verbrauch von Ressourcen und Energie die ökologischen Lebensbedingungen bedroht. Er wurzelt in den Lebens- und Verbrauchsweisen des zunehmend globalisierten „westlichen“ Wohlstandsmodells.
Allerdings erscheint „Konsum“ im üblicherweise sehr reduzierten Verständnis als eine individuelle Privatangelegenheit, damit strikt getrennt von Produktion und öffentlichem Leben. Transformationsvorschläge für Ernährung, Wohnen, Mobilität usw., die versuchen, der planetaren Bedeutung des Konsums nachhaltig gerecht zu werden, werden deshalb immer wieder als Eingriff in die Privatsphäre und deren individuelle Freiheit wahrgenommen. Sie stoßen auf empörte Widerstände, obwohl sie der Sorge um ein gutes Leben für alle entspringen. Es bedarf also einer Perspektive, die der Bedeutung des Konsum als öffentlicher Angelegenheit gerecht wird.
Tatsächlich bietet gerade die in Deutschland weitgehend öffentlich organisierte Wassernutzung ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Konsum ebenfalls möglich ist. Die Sicherung von Wasserversorgung und Abwasserreinigung hat eine lange Geschichte und basiert letztlich auf öffentlich-politischen Entscheidungen zu einer allgemein zugänglichen Infrastrukturgestaltung. Den sozialen Fortschrittsgedanken darin formulierte Rudolph Virchow 1884 so: „Der Unterschied der Stände wird mit jedem Tag geringer. Jede neue Einrichtung, die Wasserleitung, die Kanalisation, die Beleuchtung, falls sie allgemein wird, bringt etwas Demokratisches in die Verhältnisse. (…) wir benutzen alle dasselbe Gas, dasselbe Wasser, dieselben Kanäle.“
Zukunftsfähige gesellschaftliche Entwicklungen bedürfen solcher visionären Ideen und Programme zu sozial und heute auch ökologisch sorgsamen Konsumweisen. Forschungsperspektiven dafür bietet das neue White Paper.